Personal Issue

„Social Media, du deprimierst mich.“

Wie ihr vielleicht schon in meinem letzten „Personal Issue“ gemerkt habt, möchte ich hier wieder mehr persönliche Stories und Erfahrungen mit euch teilen und meinen Gedanken freien Lauf lassen. Daher wird es nun regelmäßig jeden Sonntag einen „Personal Issue“-Artikel geben. In diesem Beitrag rechne ich mit meinem aktuellen besten „Freind“ ab. Quasi mein Freund und Feind zugleich – dem Social Media. Ich bin nämlich ganz schön genervt von dieser Blase, in der wir uns bewegen, und will meinem Ärger ein bisschen Luft machen.

Doch wieso bin ich eigentlich so verärgert? Eine gute Frage, die ich mir selbst sehr oft stelle. Das Erste, was ich morgens mache, ist auf meinen Instagram Feed zu schauen und meine Facebook News abzuchecken. Jeden Tag, gleich nach dem Aufstehen. Die einen würden das Sucht oder Zwangsneurose nennen, doch ich nenne es schlicht und einfach Routine. Denn es ist zur Routine für mich geworden, mich ständig auf dem Laufenden zu halten. Ich will immer wissen, was bei anderen los ist, ob es neue Stories auf meinen Lieblingsblogs oder Accounts gibt oder wer die nächste tolle Kooperation eingegangen ist. ICH WILL ES EINFACH WISSEN! Doch im selben Moment bekomme ich zu oft dieses schlechte Gefühl, dass mich begleitet, wenn ich mich im Internet auf Social Media Kanälen bewege. Dieses Gefühl, das mir sagt, dass all diese Influencer da draußen so viel Geld verdienen, so viele Likes und Follower und vor allem Aufmerksamkeit und Chancen bekommen. Doch das sind nur wenige Aspekte, die mich negativ stimmen. Am Meisten stört mich, dass die Authentizität und Vielfältigkeit auf Social Media auf der Strecke bleibt und es anscheinend niemanden so wirklich interessiert. Und mir kommt es auch so vor, als würden die Menschen nichts anderes mehr konsumieren wollen. Ich habe, bevor ich selber einen Blog gestartet habe vor allem das an anderen Bloggern und Influencern bewundert. Ihren eigenen Stil, ihre eigene Meinung, die sie zu 100 Prozent vertreten und niemand irgendwem nacheifert. Das hat sich jedoch sehr geändert und trotzdem boomt die Branche. Als ich mit dem Bloggen anfing wurde mir mehrfach ans Herz gelegt, dass ich so sein soll wie ich bin. Und dass ich eine Nische brauche, ein Alleinstellungsmerkmal und ich bloß nicht die selben Sachen wie andere machen soll. Diese Einstellung war für mich also von Anfang an eingebrannt. Natürlich gibt es bei Bloggern und Influencern Dinge, die sich wiederholen. Doch der eigene Stil und die eigene Meinung sind dabei ausschlaggebend. Außerdem erwartete ich auch von anderen Bloggern, dass sie ihre eigene Marke sind und nicht nur ein Massenprodukt. Im Prinzip ist das kein hoher Anspruch, doch anscheinend trotzdem mittlerweile eher schwieriger zu finden.

Der Einheitsbrei kommt an und wird mit Likes, Klicks, Kommentaren und hohen Summen Geld belohnt.

Und genau das deprimiert mich. Mir kommt es nicht nur so vor, nein ich weiß, dass ich weniger Chancen habe Follower für mich zu gewinnen, wenn ich nicht dem Stil der typischen Blogger und Influencer nach eifere. Wenn ich nicht jede Woche woanders hinfliege. Oder wenn ich nicht die neueste Designerhandtasche habe. Oder vielleicht nicht jeden Tag eine neue tolle Kooperation habe oder einen Rabattcode anbieten kann. Ich komme mir langweilig vor und andererseits fühle ich mich von dem Verhalten und dem Arbeitsstil meiner Bloggerkollegen überrannt. Daher frage ich mich auch, wie viel es noch wert ist beispielsweise irgendwo hin zu fliegen. Ist das überhaupt noch aufregend für die breite Masse oder eher ein alltägliches Happening?! Heute noch in Berlin, morgen schon auf dem Weg nach Paris und nächste Woche mal eben für drei Tage nach New York. Ein aufregender Lifestyle, der realitätsferner nicht sein könnte. Oder was ist mit all den Designerkleidern und Taschen? Wenn ich mir bekanntere Blogger anschaue, sehe ich die neuesten Kollektionen von Gucci, D&G und Prada und selbst aus „normalen“ Shops werden die teuersten Teile getragen. Doch was hat das für einen Mehrzweck für die Follower? Junge Mädchen und Frauen können sich als Otto Normalverbraucher doch niemals diese Sachen leisten, der Realitätsbezug fehlt einfach und auch wenn die Sachen schön anzuschauen sind, so bringt es mir als Konsument nichts, wenn ich mir die Kleidung nicht auch nachkaufen kann. Versteht mich bitte nicht falsch, es spricht nicht der Neid aus mir. Im Gegenteil, ich hätte auch gerne die eine oder andere Designertasche und ich würde mich auch freuen, wenn ich mehr Zeit und Möglichkeiten hätte zu verreisen, Jobs im Ausland zu machen oder auf internationale Fashion Weeks zu gehen. Doch das ist eben nicht der Standard, auch wenn es vielen so vorkommen mag.

Ich persönlich frage mich daher oft, was ICH dann überhaupt auf Instagram und Co. noch zu suchen habe. Ich habe weder die Zeit für diesen glamourösen Lifestyle, noch möchte ich irgendwem nacheifern. Außerdem mag ich es anders zu sein, egal ob ich das ausstrahle oder nicht, aber ich fühle mich auf jeden Fall so. Doch leider habe ich nicht nur das Gefühl, nein ich weiß, dass das eigentlichen nur die Minderheit sehen will. Die meisten User sind begeistert von dem bereits genannten Einheitsbrei und dem typischen Glanz und Gloria und wollen gar nichts anderes konsumieren. Der Rest folgt individuelleren Accounts, die sich sehr von anderen abheben und einfach ihr Ding machen und damit auch gut ankommen. Genau diese Influencer und Blogger gehören auch zu meinen Lieblingsaccounts, ich kann mich mit ihnen identifizieren und fühle mich von ihrem Kleidungsstil und ihrem Lifestyle angesprochen.

Zusammengefasst bin ich genervt von den ewig gleichen Bildern, dem Content der sich scheinbar kaum noch von anderen abhebt und darauf, dass Menschen wie du und ich sich einfach kaum mehr mit dem Lifestyle identifizieren können. Vor ein paar Jahren war ich noch begeistert von Bloggern und Co., weil sie ihre Meinung in der Öffentlichkeit vertreten haben, ihre Fotos ihr wahres, nicht retuschiertes Ich gezeigt und sie ihre persönlichen Erfahrungen und Werte mit ihren Followern geteilt haben. Heutzutage findet man das nur noch selten, und trotzdem ist die Szene beliebter als je zuvor. Wie kritisch seht ihr dieses Thema? Denkt ihr, dass diese Branche zukunftsfähig ist oder auch die Leser und Follower sich früher oder später daran satt gesehen haben und diese perfekte Social Media Blase platzen wird?

Ich würde mir wünschen, dass es wieder mehr Nischen gibt, mehr Individuen und mehr Eigeninitiative in der Branche. Blogger wurden schließlich durch diese Merkmale erst bekannt und sollten sich durch mehr als eine Designersachen und Flughafenbildern definieren. Ich glaube, dass diese Szene eine Zukunft haben könnte, wenn alle die daran teilhaben oder noch teilhaben wollen etwas mehr an einer positiven Entwicklung arbeiten würden.

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2 Comments

  • Reply
    Simone Spielt
    9. November 2017 at 19:07

    Liebe Sophia,
    Dein sehr ehrlicher Einblick in deine Gedanken hat mich beeindruckt. Schon alleine, dass du dir diese Gedanken machst, bringt dich weiter. Auch wenn ich gar nichts von Fashion und Beauty verstehe – ich selbst blogge über Gesellschaftsspiele – kann ich deine Gedanken gut nachvollziehen.
    Meine Anregung für dich dazu: Werde du klar, was du wirklich willst. Willst du Erfolg im Sinne von Einnahmen, Sichtbarkeit und vielen Fans, wirst Du du mit dem sozialen Mainstream mitschwimmen müssen.
    Mir wäre das zu blöd. Ich wachse lieber langsam, habe lieber weniger Fans und Follower, die meinen Blog aber wirklich mögen – als reinen Zahlen hinterher zu haschen.
    Ich schreibe z. B. nicht über Spiele wie Monopoly oder Mensch-ärger-dich nicht – obwohl dies die Meistverkauftesten sind. Aber das müsste ich wohl tun, um „erfolgreicher“ zu sein. Ich mag sie aber einfach nicht, und ich werde mich nicht verbiegen.
    Soziale Medien nutze ich gelegentlich, dass mir aber von ihnen nicht mein Leben diktieren. Deswegen bin ich auch nicht neidisch auf die die, die vermeintlich erfolgreicher sind.
    Von daher – bitte bleib authentisch und stehe dazu! Das macht dich selbst zufriedener! Bestimmt!
    Verspielte Grüßle,
    Simone

    • Reply
      Sophia
      9. November 2017 at 20:01

      Liebe Simone, vielen Dank für deine Worte! Du hast absolut recht: Authentisch bleiben und nicht den Zahlen hinterher jagen ist letzten Endes der bessere Weg. Ich mag mich auch nicht verbiegen genauso wie du und finde es toll, dass es noch mehr Leute gibt die so denken. Wäre ja auch echt schade, wenn das nicht so wäre 😉 Bleib du auch so wie du bist und mach weiter so! Liebe Grüße, Sophia

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